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Heute

20:00 Schauspielhaus
Regie: FUX - Nele Stuhler & Falk Rößler

ZUR SPIELZEIT 2016/17

Liebe Freund*innen des Schauspielhauses,
liebes Publikum,

wir freuen uns, Ihnen das Programm zu unserer zweiten Saison am Schauspielhaus vorzustellen, das wir in zahlreichen Gesprächen im Team und mit uns verbundenen Künstler*innen aus In- und Ausland ausgeheckt haben, immer vor dem Hintergrund aktueller politischer und gesellschaftlicher Fragen unserer Zeit.

Wenn das Programm erscheint, sind wir grade in den Proben für unser Eröffnungs-Projekt »Traum Perle Tod!«. Wir nehmen einen visionären Roman der letzten Jahrhundertwende zum Ausgangspunkt, blicken also quasi aus einer vergangenen Perspektive auf unsere Gegenwart. Alfred Kubin erzählt in »Die andere Seite« faszinierend und mit wunderbar verschrobenem Humor von einer Gesellschaft, die sich von ihrer Außenwelt abschottet, und im Versuch eines utopischen Zusammenlebens dem eigenen Untergang entgegen taumelt. In vielerlei Hinsicht lässt sich das als düstere Vorahnung späterer Entwicklungen des 20. Jahrhunderts lesen, vielleicht ist sogar erst heute wirklich erkennbar, wie visionär Kubin in seinem einzigen Roman auf die Welt blickte. Man wünschte sich fast, er hätte sich als weniger prophetisch erwiesen.

Auch unsere zweite Spielzeit verzichtet bewusst auf ein Motto, trotzdem ergeben sich bei aller ästhetischer Vielfalt wieder interessante Parallelen zwischen einigen der anstehenden Projekte. Thomas Köck denkt vor der historischen Folie der Bauernbefreiung über heutige Fragen von Revolution und Widerstand nach. Später in der Saison wird das aus dem theatralen Zukunftslabor des Instituts für Angewandte Theaterwissenschaft in Gießen hervorge gangene junge Performance-Kollektiv FUX, das mit ersten Arbeiten u. a. an den Münchner Kammerspielen von sich Reden gemacht hat, in seiner postmonetären Doppelconférence »Frotzler-Fragmente« ebenfalls durch einen historischen Spiegel auf Gegenwart und Zukunft unserer Wirtschaft blicken. Es untersucht die historischen Theaterformen aus dem Roten Wien der 20er-Jahre und fragt nach Reformperspektiven unseres zunehmend krisenanfälligen Kapitalismus.

Thomas Bo Nilsson kehrt mit seinem Team an das Schauspielhaus zurück. Nach dem überbordenden Triptychon »Cellar Door« arbeitet er diesmal an einem intimen, begehbaren Beziehungsgemälde: »JINXXX«. Miroslava Svolikova, Gewinnerin des Hans-Gratzer-Stipendiums, sprengt schon mit dem Titel ihrer Farce »Diese Mauer fasst sich selbst zusammen und der Stern hat gesprochen, der Stern hat auch was gesagt« manche Konvention des Theaterbetriebs. Absurder Humor zur Rettung der Welt! Sprechender Speichel zur Rettung der raren Gattung der politischen Komödie!

Vor dem Hintergrund der Migrationsströme der Gegenwart wird die »Festung Europa« nicht dauerhaft umhinkommen, ihre eigenen Gesellschaftsvorstellungen zu hinterfragen und das vormals Fremde als Eigenes in einer transkulturellen Gemeinschaft anzuerkennen. Mit ihrer ersten Arbeit im deutschsprachigen Raum wird die renommierte norwegische Regisseurin & Autorin Lisa Lie, die ihre faszinierend-archaische Bildsprache angstfrei mit trashiger Komödiantik verbindet, über Fragen individueller und kollektiver Identität nachdenken. Als Grundlage für ihr Projekt »Kaspar Hauser oder die Ausgestoßenen könnten jederzeit angreifen!« nimmt sie den geheimnisvollen und bis heute faszinierenden Mythos des Findelkindes Kaspar Hauser. Danach forschen Ivna Žic und Tomas Schweigen über die umkämpfte Geschichte des Feldes von Bleiburg, bis heute eine Pilgerstätte des Nationalismus. Das Theater ist, vielleicht wie nie zuvor, in die Pflicht genommen, politischer Diskursraum zu sein. Die »Agora« von Robert Misik und Milo Rau wird dies in besonderer Weise performativ erfahrbar machen. Wie schon in der vergangenen Saison ist unsere künstlerische Arbeit getragen durch die ständige Suche nach geeigneten Theatersprachen, mit denen sich auf unsere komplexe Gegenwart und in vielerlei Hinsicht unbestimmte Zukunft reagieren lässt. Diese Auseinandersetzung suchen wir innerhalb unseres Teams, mit unserem Ensemble und natürlich mit Ihnen, unserem geschätzten Publikum. Wir wollen ein Theater zum Anfassen sein und möchten Sie jederzeit ermutigen, mit uns ins Gespräch zu kommen. Deshalb sind sämtliche Mitarbeiter*innen des Hauses mit Fotos in diesem Spielzeitheft vorgestellt. Sprechen Sie uns gerne an und teilen Sie Ihre Eindrücke, Ihre Kritik aber bitte auch Ihr Lob mit uns.

Um eine spezifische Ästhetik für jedes unserer Projekte zu ermöglichen und Sie immer wieder mit überraschenden Raumsituationen konfrontieren zu können, werden wir den En-Suite-Spielbetrieb beibehalten. Es gilt also weiterhin, schnell zu sein, um nichts zu verpassen! Wir möchten Sie herzlich einladen, all das live und unter leidenschaftlichem Einsatz unseres Ensembles zu erleben.
Wir freuen uns auf Sie!

Tomas Schweigen, Künstlerischer Leiter & Geschäftsführer
Tobias Schuster, Leitender Dramaturg



Zur SpielzeiT 2015/16

Liebes Publikum,
liebe Freund*innen des Schauspielhauses,

wir freuen uns sehr, Ihnen den Spielplan unserer ersten Saison vorzustellen! Vieles wird sich ändern und doch ist es ein Programm, das in großem Respekt vor der Vergangenheit des Hauses entwickelt wurde. Das Schauspielhaus bleibt ein Autorentheater und wird sich den vielfältigen Schattierungen dessen widmen, was man heute unter diesem Begriff verstehen kann. Wir führen damit eine große Tradition weiter, wollen aber auch neue Wege gehen. Ein neues, junges Ensemble wird das spiel- und ausdrucksstarke Gesicht unseres Theaters sein.

Unser Spielplan beschäftigt sich mit der aktuellen gesellschaftlichen Wirklichkeit und ihren drängenden Fragen, versucht Analysen der gegenwärtigen Krise Europas und denkt humorvoll über Zukunftsvisionen nach. Er untersucht Mechanismen von Gemeinschaftsbildung, wagt sich immer wieder in den spannenden Grenzbereich von Realität und Fiktion vor und versucht Brücken zu schlagen zwischen virtueller Realität und der Bühne.

Do it yourself! Das Motto des Punk spielt nicht nur in unserer Eröffnungsproduktion eine Rolle, sondern prägt auch die Struktur des Hauses: während überall outgesourced wird, verwandelt sich das Schauspielhaus in eine kleine, feine, familiäre Manufaktur. Künftig werden eine Kostümbildnerin, ein Musiker und ein Bühnenbildner fest engagiert am Haus arbeiten und als Teil einer erweiterten Dramaturgie das Profil des Hauses in den nächsten Jahren mitprägen. Die Entwicklung des Corporate Designs wird von einer Grafikerin & Illustratorin am Haus übernommen, die ebenfalls integraler Teil des künstlerischen Teams ist.

Es ist eine Ehre, schon in der ersten Woche der neuen Saison einen so poetischen Sprachvirtuosen und scharfen politischen Kopf wie Chris Thorpe (UK) erstmals auf einer deutschsprachigen Theaterbühne präsentieren zu dürfen. »Möglicherweise gab es einen Zwischenfall« ist ein »klassischer« Theatertext, »klassisches Autorentheater «: ein abgeschlossenes, kunstvoll verdichtetes Werk, dem sich das Team um Regisseur Marco Štorman in diesen Tagen bereits mit großer Phantasie und Freude stellt. Auf der anderen Seite ist das Stück aber auch genau das Gegenteil von allem, was man als »klassisch« bezeichnen könnte, und seine Entstehungsgeschichte repräsentiert in weiten Teilen das Theaterverständnis, von dem unsere Arbeit geprägt ist: Denn Chris Thorpe ist nicht nur Autor, er ist genauso Performer und Musiker und seine Texte entstanden bisher nie als hermetische Literatur, nie losgelöst vom Produktionsprozess, sondern immer in einer gemeinsamen Arbeitsbegegnung und im Austausch mit seinem Ensemble.

Mit Thomas Köck werden wir mit einem der vielversprechendsten Jung-Autoren Österreichs zusammenarbeiten und haben ihn eingeladen, gemeinsam mit Tomas Schweigen ein Projekt zu entwickeln. Diese Arbeit wird der Beginn einer Reihe von Experimenten mit kollektiver Autorschaft, die wir in den kommenden Jahren am Schauspielhaus vorhaben.

Wir sind stolz auf all die aufregenden Regisseur*innen und ihre jeweiligen Teams, die wir für das Schauspielhaus gewinnen konnten. Mit Lucia Bihler und Thomas Bo Nilsson werden zwei im besten Sinne verstiegene, kompromisslose und gleichzeitig ästhetisch gänzlich unterschiedliche junge Theatermacher*innen, auf deren weitere Entwicklung man sich in den nächsten Jahren nur freuen kann, ihre ersten Regiearbeiten in Österreich vorlegen. Mit Jan-Christoph Gockel kehrt ein bereits für den Nestroy-Preis nominierter und unserem Publikum von mehreren Inszenierungen bekannter Regisseur nach einigen Jahren Wien-Abstinenz ans Schauspielhaus zurück. In Koproduktion mit den Wiener Festwochen konnten wir außerdem mit Falk Richter und Nir de Volff zwei sehr erfahrene, international renommierte Künstler für ein Projekt an das Schauspielhaus locken.

Eine wichtige Neuerung, die an die Historie des Schauspielhauses anknüpft, ist die Tatsache, dass zukünftig wieder im En-Suite-System gespielt wird. Die Vorstellungen werden also blockweise gezeigt und in der Regel nach ca. einem Monat abgespielt. Diese Veränderung ermöglicht es uns, den wunderbaren Raum an der Porzellangasse wieder in aller Variabilität zu nutzen und auf diese Weise unerwartete Bühnenlösungen zu verwirklichen.

Wir wollen ein Theater zum Anfassen sein und möchten Sie sehr herzlich ermutigen, mit uns ins Gespräch zu kommen. Deshalb sind sämtliche Mitarbeiter*innen des Hauses mit Fotos in diesem Spielzeitheft vorgestellt. Sprechen Sie uns gerne an und teilen Sie Ihre Eindrücke, Ihre Kritik aber bitte auch Ihr Lob mit uns.

Wir freuen uns auf eine aufregende erste Saison mit Ihnen! Im Namen unseres Ensembles und des gesamten Teams des Schauspielhauses

Tomas Schweigen, Künstlerischer Leiter & Geschäftsführer
Tobias Schuster, Leitender Dramaturg