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Heute

Wiederaufnahme
20:00 Schauspielhaus
Regie: Jakob Engel & Jan Philipp Stange
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Produktionen

PASSAGEN GESPRÄCHE: UNGEHORSAM. FRÉDÉRIC GROS IM GESPRÄCH MIT PETER ENGELMANN

UNGEHORSAM. FRÉDÉRIC GROS IM GESPRÄCH MIT PETER ENGELMANN
 
PASSAGEN GESPRÄCHE. FORUM FÜR NEUES POLITISCHES DENKEN
35 JAHRE PASSAGEN VERLAG
 
am Montag, 20. Juni 2022, 20 Uhr > Karten kaufen
im Schauspielhaus Wien
Eintritt = 5,- Euro
 
Wer angepasst und gehorsam durchs Leben geht, hat es in unserer Gesellschaft leicht. Doch die Geschichte lehrt uns, dass blinder Gehorsam katastrophale Folgen haben kann. Um totalitäre oder autokratische Regime und deren kriegerische Aggressionen zu verhindern, hilft nur rechtzeitiger Widerstand. Deswegen sollte der UNGEHORSAM heute zentrale Bürgerpflicht sein.
 
Peter Engelmann spricht mit Frédéric Gros über UNGEHORSAM: so der Titel seines neuen Buches und zugleich das Motto, unter dem das 35-jährige Jubiläum des Passagen Verlages steht. Sie untersuchen die widersprüchlichen Seiten dieses Begriffs, seine Geschichte und sein Verhältnis zur Verantwortung. Denn nicht der Ungehorsam ist das Problem, sondern der Gehorsam. In einer Welt, in der Ungerechtigkeit und Umweltzerstörung ein unerträgliches Ausmaß erreicht haben, wird Widerstand zur dringenden Notwendigkeit.
 
Um zu verstehen, warum wir uns auch angesichts größter Ungerechtigkeiten oft nur schwer zum UNGEHORSAM entschließen können, untersucht Frédéric Gros, wie Gehorsam auf individueller und kollektiver Ebene zustande kommt und legitimiert wird. Er macht deutlich, dass ziviler UNGEHORSAM zunächst einmal ein Sieg jedes Einzelnen über sich selbst ist: Um unseren Konformismus und unsere Trägheit zu überwinden, müssen wir uns unserer Verantwortung stellen. Philosophie und Denken sind grundsätzlich ungehorsam: Sie zwingen uns, unsere Gewissheiten, die gesellschaftlichen Konventionen und das scheinbar Selbstverständliche unentwegt zu hinterfragen und stets eine kritische Distanz zu bewahren – sogar zu uns selbst. Nur so können wir unserer Verantwortung als mündige Menschen und Bürger:innen gerecht werden.

Frédéric Gros, Jahrgang 1965, Professor für Philosophie und politisches Denken, lehrt am Institut d'études politiques de Paris (Science Po), ist Herausgeber von Werken Michel Foucaults und Verfasser von Romanen und Essays.

Peter Engelmann ist Philosoph, Herausgeber der französischen Philosophen der Postmoderne und der Dekonstruktion und Leiter des Passagen Verlages.

Eine Kooperation von Passagen Verlag und Schauspielhaus Wien.
Mit freundlicher Unterstützung des Institut français d’Autriche-Vienne.

Zur Reihe Passagen Gespräche. Forum für neues politisches Denken

In Zeiten der Krise, in denen rechtsstaatliche und demokratische Institutionen immer mehr ausgehöhlt werden und in denen sich die Universitäten in Berufsausbildungszentren verwandeln, besteht ein besonderer Bedarf nach demokratischem Austausch, nach Orten, an denen sich das Politische kreativ erneuern kann und wo produktive Widerstände formuliert werden können – und zwar sowohl gegen den politischen Konsens als auch gegen die intellektuelle Ignoranz neu-rechter Bewegungen.

Ein unabhängiger Verlag wie der Passagen Verlag und ein experimentelles Theater wie das Schauspielhaus Wien sind Repräsentanten dieser kreativen Gegenkultur in der heutigen Zeit. Die Passagen Gespräche bieten ein Forum für jene Autor:innen, die unmittelbar an den großen theoretischen Revolutionen des späten 20. und frühen 21. Jahrhundert beteiligt waren; aber auch für junge engagierte Denker:innen, die versuchen, die Ideen ihrer Vorgänger mit kritischem Enthusiasmus weiterzuentwickeln und für die Zukunft fruchtbar zu machen. Ein solches Forum bedeutet: Interaktion, Konfrontation, Diskussion. Es geht nicht um die einseitige Vermittlung von Wissen, sondern um das Denken neuer Möglichkeiten und darum, die Zuversicht zu wecken in die Veränderbarkeit des Gegebenen.

Publikum, Leser:innen und Autor:innen bilden gemeinsam eine Öffentlichkeit: eine kritische Gemeinschaft von selbstständigen, bewusst mitdenkenden und verantwortlich agierenden Individuen, die blinden Gehorsam verweigern und versuchen, sich neue Politikformen zu erarbeiten.
 

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