Hans-Gratzer-Preis 2026/27 am Schauspielhaus Wien geht an Susana AbdulMajid
Pressemitteilung vom 30.03.2026 (PDF)
Für den diesjährigen Hans-Gratzer-Preis wurde eine Rekordzahl von 410 Stückentwürfen eingereicht. Die Jury – bestehend aus Künstlerischer Leitung, Dramaturgie und Ensemblemitgliedern des Schauspielhauses – vergibt den Hans-Gratzer-Preis 2026/27 an die Schauspielerin, Autorin und Arabistin Susana AbdulMajid für ihren Stückentwurf Jellinekplatz. Mit dem Preis einher geht ein Werkauftrag in Höhe von 10.000 Euro sowie eine beabsichtigte Uraufführung in einer Folgesaison.
Ausgehend von der hochverdichteten Planstadt rund um den Heidelberger Jellinekplatz und der Geschichte der „Neuen Heimat“ entfaltet Susana AbdulMajid ein Panorama der Stadt als Verwaltungsform. Menschliche Körper erscheinen hier als Fälle und Verfügungsmasse und behaupten dennoch ihre Widerständigkeit. Zwischen Protokollsprache und lyrischen Störungen legt der Text die strukturelle Gewalt von Architektur, Ökonomie und Bürokratie frei. Ein formal stringenter, politisch hochaktueller Entwurf, der Mensch und System zusammendenkt. Als „Bauplan für Körper“ fordert das Stück das Theater heraus: zu kollektiven Spielweisen, zur Übersetzung des Dokumentarischen ins Künstlerische, zum Risiko. Diese Einladung nehmen wir gerne an. Wir gratulieren Susana AbdulMajid zum Hans-Gratzer-Preis 2026/27 und freuen uns auf die Zusammenarbeit.
Die Jury: Marie Bues, Martina Grohmann, Tobias Herzberg, Mazlum Nergiz (Künstlerische Leitung); Melina Papoulia (Dramaturgie); Ursula Reiter (Ensemble, in der Lesephase unterstützt von Tala Al-Deen)
Shortlist:
Aus allen eingereichten Stückentwürfen wurde in einem mehrstufigen Verfahren eine Shortlist erstellt. Neben der ausgezeichneten Einreichung umfasst die Shortlist die folgenden Autor:innen und Titel:
Sanja Anđelković und Deborah Lara Schaefer: Breath Play
Jette Clasen: UNSERE FREITAGE (Ein Archiv)
Yannic Han Biao Federer: Tiger & Landrat
Maria Păcurariu: DU SCHMETTER ICH/ICH SCHMETTER DU
Zur Preisträgerin:Susana AbdulMajid, geboren 1990 in Berlin und aufgewachsen in Heidelberg, ist Schauspielerin, Autorin und Arabistin. Sie arbeitet zwischen Theater, Text und Stadt. AbdulMajid studierte Schauspiel in Berlin und New York sowie Arabistik an der FU Berlin, wo sie auch lehrt. Zuletzt arbeitete sie im Irak und in Litauen. Ihre künstlerische Praxis entsteht auch unter Bedingungen, die oft nicht als Arbeit anerkannt werden. Europa begreift sie als Mythenverwertungsfabrik. Aktuell beschäftigt sie sich mit der Frage, wie mesopotamische Erzählungen im Deutschen recycelt werden, sowie mit Körpern im System: wie sie erfasst, verwaltet und archiviert werden – und wo sie aus dem Raster fallen.
(Foto: Elzė Gudgaitė)
Über den Hans-Gratzer-Preis:
Der Hans-Gratzer-Preis ist ein Teilprojekt des Hans-Gratzer-Stipendiums am Schauspielhaus Wien. Erstmalig findet die Vergabe des Preises unabhängig vom Stipendienprogramm Text in Arbeit statt. Die Teilnahme am Wettbewerb stand allen interessierten Autor:innen offen. Das Preisgeld in Höhe von 10.000 Euro wird gestiftet von der Literar-Mechana. Hans Gratzer (1941–2005) war Gründer und langjähriger Leiter des Wiener Schauspielhauses. Das nach ihm benannte Förderprogramm für angehende Autor:innen trägt nachhaltig zur Stärkung der zeitgenössischen Dramatik im deutschsprachigen Raum bei. Seit der ersten Ausgabe 2007 sendet das Hans-Gratzer-Stipendium wichtige Impulse für die öffentliche Wahrnehmung und innovative Weiterentwicklung zeitgenössischer Theatersprachen. Zu den bisherigen Preisträger:innen zählen u.a. Thomas Köck, Selma Kay Matter, Anna Neata, Mazlum Nergiz, Johannes Schrettle, Miriam Unterthiner, Wilke Weermann und Guido Wertheimer.
Fördergeber:innen:

Das Preisgeld wird gestiftet von

Vergangene Jahrgänge:
Hans-Gratzer-Stipendium 2024/25
Mentorat: Tanja Šljivar
Hans-Gratzer-Preis 2025 - Werkstattlesung und Preisverleihung
Arad Dabiri mit (hab doch bitte keine) ANGST!
Carlotta Huys mit BABYGIRL - Geschichten ohne Happy End
Màteja Kardelis mit im vorbeigehen / u prolazu (Gewinner Publikumspreis 2025)
Leo Skverer mit Die benannten Plätze
Miriam Unterthiner mit Mundtot (Gewinnerin Hans-Gratzer-Preis 2025)
Pressemitteilung vom 15.02.2025 (PDF)
Hans-Gratzer-Stipendium 2023/24
Mentorat: Katja Brunner
Hans-Gratzer-Preis 2024 - Werkstattlesung und Preisverleihung
Yannic Han Biao Federer mit Asiawochen, oder: Der Geist von Bandung
Noëlle Haeseling mit VON FISCHEN UND FRAUEN (Gewinnerin Publikumspreis 2024)
Jona Rausch mit BETONKLOTZ 2000
Sophie Steinbeck mit ihr kinderlein kommet (und gehet doch all)
Guido Wertheimer mit Die realen Geister (Gewinner Hans-Gratzer-Preis 2024)
